S t a d t p l ä t z e   W o r b i s

eingeladener Realisierungswettbewerb
engere Wahl

Ulrike Böhm, Cyrus Zahiri, Katja Benfer,
Marian Enders, Annekathrein Quast
09/04

Einordnung
in die
Stadtstruktur



Worbis Stadtstruktur ist geprägt durch die 'Lange Strasse', die die gesamte Stadt durchzieht. An die Topografie angeschmiegt bildet sie eine spannungsreiche Raumfolge aus Verschwenkungen, Verengungen und Weitungen. Im Vergleich zur Maßstäblichkeit der Raumfolgen entlang der Langen Straße wirken die zu bearbeitenden Stadträume groß dimensioniert. Sie werden deshalb nicht der Langen Straße zugeordnet, sondern als eigenständige Flächen aus dem Stadtraum herausgehoben.

Friedensplatz und Rossmarkt liegen beide an der Schnittstelle zwischen der Hauptrichtung der Langen Strasse und den Nebenrichtungen Amtsstrasse/Kirchstraße und Strasse am Friedensplatz. Sie haben dabei aufgrund ihrer Lage jeweils eine Gelenkfunktion.

Im Stadtbild von Worbis läßt sich von einfachen Stufen über Treppen und Podesten bis zu großzügigen Loggien eine sehr differenzierte Freiraum-Typologie entdecken. Durch die bewegte Topografie entstehen zwischen Flächen und Gebäude-Eingängen Höhenunterschiede, die durch vermittelnde Freiraum-Elemente überbrückt werden. Sie erlauben eine Verlagerung von Funktionen in den Außenraum, ergänzen die Erschließungsfunktion um Aufenthalts- und Kommunikationsmöglichkeiten und unterstreichen die Bedeutung des jeweiligen Gebäudes. Die neue räumliche Gliederung der Plätze knüpft an diese Freiraum-Elemente an und bezieht sie auf die umgebenden Baukörper.

An die Platzflächen werden unterschiedliche Ansprüche gestellt. Während große Platzflächen für vielfältige Nutzungen wie Feste und Märkte offen bleiben, sind im Bereich der Gebäude eigene Flächen vorgelagert. Sie unterstreichen die Erschließungs- und Eingangsbereiche und erlauben eine Verlagerung von Nutzungen in den Freiraum. An den Schnittstellen zwischen diesen Nutzungen sowie an den Platzrändern sind Aufenthaltsbereiche vorgesehen, von denen aus sich die verschiedenen Aktivitäten auf dem Platz beobachten lassen.

 
Friedensplatz



Der Friedensplatz spannt sich zwischen Langer Strasse und Kirchstraße auf. Seine Gliederung bezieht sich auf den angrenzenden Baublock aus Kirche, Pfarramt und privatem Wohngebäude. Den Gebäuden sind jeweils Plateaus vorgelagert, deren Kanten die Gebäudefluchten aufnehmen und zum Landratsamt hin um je eine Stufe ansteigen. Die Stufen und Plateaus des Platzes leiten sich aus der vorhandenen Höhensituation ab.

 
Rossmarkt
und Platz am
Rentamt



Der Rossmarkt bezieht sich in seinen Kanten und seiner Gliederung auf die evangelische Kirche Peter und Paul und das Stadthaus. Vor der evangelischen Kirche ist eine erhabene Fläche als Eingangspodest angeordnet. Im Bereich vor dem Stadthaus schiebt sich die Platzfläche gegenüber dem Strassenniveau der Langen Straße um eine Stufe heraus. Alle anderen Flächen sind niveaugleich. Die Linde vor dem Stadthaus akzentuiert den Platzbereich und rahmt den Blick aus der Burgstrasse auf den Platz vor dem Rentamt.

Der Platz vor dem Rentamt bezieht sich auf die beiden noch bestehenden Gebäudeteile des Rentamts. Der Platz ist in vier Bereiche aufgeteilt, die die Gliederung der umgebenden Baukörper aufnehmen. Jedem Gebäude wird eine Teilfläche mit einer eigenen Höhe zuordnet. Die Teilflächen nehmen die bestehenden Fragmente wie Maueransatz und Brunnen auf. Alle Teilflächen sind zueinander durch Sitz- und Trittstufen abgegrenzt und bauen so eine Gefüge an räumlichen Beziehungen zu einander auf. Die gebäudebezogenen Teilflächen umfassen einen vierten Platzbereich, der ohne direkten Gebäudebezug bleibt und so öffentliche Nutzungen aufnimmt.

Die beiden Flächen vor dem Rentamt dienen der Erschließung der öffentlichen Gebäude und erlauben eine Rahmung von besonderen Anlässen wie Trauungen. Durch die gegebene Höhensituation kann ein behindertengerechter Zugang ermöglicht werden. Das Gebäude an der Langen Straße (Memogrill) erhält eine eigene Vorfläche, die für gastronomische Funktionen genutzt werden kann.

Stadtpark Der Stadtpark wird entlang der Amtsstraße mit einem befestigten Weg begleitet, der mit der Topografie abfällt. Dieser Weg begrenzt auch den Parkplatz hinter dem Rentamt und dient als Verbindung zwischen Park und Stadt. Im Park wird die bestehende topografische Situation durch Terrassen in Bereiche mit unterschiedlichen Höhen gegliedert. Neben einem Außenbereich für die Stadtpark-Klause entstehen kleinteilige Bereiche mit Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Im tieferliegenden Bereich umfaßt eine Wiesenfläche den Ritterbach beidseitig und bindet den Bach als Element des Parks ein. Diese Wiesenfläche ist gegenüber dem Parkplatz leicht angeböscht. Ein Baumhain mit unregelmäßigen Lichtungen überdeckt die Stellplätze.
Materialit”t
Bel”ge
Beleuchtung


Insgesamt soll an die Ausgestaltung und Materialität der bestehenden Freiraumarchitektur in Worbis angeknüpft werden. Die Plätze setzen sich durch fein-texturierten, bandartigen Plattenbelag aus Travertin oder Sandstein gegenüber der Pflasterung der 'Langen Strasse' ab. Wichtige Kanten oder Sitzmauern sollen materialgleich ausgeführt und größerformatige Gliederungen betont werden.

Für den Abschnitt der Langen Straße sollen die bereits im Bereich Obertor und Fußgängerzone verwendeten Beläge und Materialien verwendet werden.
Die bestehenden Elemente wie Brunnen, Denkmäler, Mauern werden in die Platzgliederung integriert. Der Schalen-Brunnen auf dem Friedensplatz wird aus der Platzmitte zum Pfarramt hin verschoben.

Für eine ruhige Wirkung der Plätze wurde auf Lichtobjekte verzichtet. Die Beleuchtung der Plätze erfolgt über das Anstrahlen der platzbegrenzenden Gebäude. Ihre Wichtigkeit für die Platzgestaltung bleibt auch in der Nacht sichtbar.
bbzl
boehm benfer zahiri
architektur städtebau landschaft

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